Die “Homo-Ehe” & die Gesellschaft

Alles fing an in den ersten Tagen des August 2013. Ich bekam einen Brief in einem sehr hochwertigen Umschlag, adressiert an mich von zwei Freunden. Ich öffnete ihn voller Spannung und las doch tatsächlich:

Zur Hochzeit
laden wir dich ganz herzlich ein!
Seit fast 5,5 Jahren leben wir in “wilder Ehe” zusammen, da haben wir gedacht:
Wir trauen uns auf 100 Meter!
Wir würden uns freuen, wenn Du diesen besonderen Tag mit uns feierst.
[.. es folgen Details..]
Es freuen sich auf Euch
Sebastian & Markus

Wow, dachte ich: die erste Hochzeit auf die ich eingeladen werde und dann auch noch ausgerechnet eine sogenannte “Homo-Ehe”. Ich finde diesen Begriff etwas merkwürdig, der offizielle Begriff ist ja auch noch immer “eingetragene Lebenspartnerschaft”. Natürlich ist das viel zu wenig brisant und viel zu kompliziert für unsere Medien, allen voran natürlich der “Blöd”. Ich meine natürlich, die “Bild”. Tut mir leid. Not.

Nichtsdestotrotz habe ich mich nicht nur über die Einladung gefreut, sondern natürlich auch für die beiden, dass sie den Schritt machen. Und so kam es gestern dann eben zu besagter Hochzeitsfeier. Geheiratet im Standesamt haben sie bereits im ganz kleinen Kreis am Tag davor. Aber Freitag Vormittag ist es natürlich auch nicht leicht, viele Gäste zu bekommen.

Und so kam mit dem gestrigen Tag auch endlich mal wieder gutes Wetter in die Region. Nach tagelangem Grau-in-Grau endlich wieder Sonnenschein, blauer Himmel und warme Temperaturen. Die Feier fand im Augsburger Hotelturm im 34. Stockwerk statt (deswegen auch die 100 Meter). Das bescherte einen unglaublich schönen Ausblick auf die Fuggerstadt Augsburg (wie ich sie liebe) und die Region.

Die Stimmung war wunderbar, nette Gäste, viele davon kannte ich bereits. Freunde und Familie der beiden waren eingeladen. Es gab allerdings doch einen kleinen negativen Punkt, der von einem der beiden bei seiner Rede angesprochen wurde:

“Ja, ich möchte mich jetzt auch nochmal ganz herzlich bedanken bei euch allen, dass ihr so zahlreich erschienen seid, um heute gemeinsam unsere Hochzeit zu feiern. Leider ist das keine Selbstverständlichkeit, wie ich feststellen musste – sieht man zum Beispiel bei meiner Familie [er deutet auf recht mager besetzten Tisch].” [..]

Da war für mich der Punkt, wo ich mir dachte: also deswegen hast du seine Familie noch gar nicht wirklich kennengelernt. Kenne die beiden ja schon ein paar Jahre und war auf diversen Geburtstagsfeiern. Seine Ansprache und die Abwesenheit eines Teils seiner Familie hat mich dabei mit einer Mischung aus Trauer und Wut erfüllt. Ich weiß nicht, wer genau gefehlt hat, sicher ist aber, dass sein Bruder nicht da war. Ich muss dazu sagen: es gab vor allem in jungen Jahren immer wieder Streit mit meinem kleinen Bruder und mir. Aber mittlerweile (er ist ja auch schon kein “Teen”ager mehr verstehen wir uns bestens. Zwei gute Brüder einfach, die im Falle des Falles immer füreinander da sind.

Wie mir etwas später noch zu Ohren kam, hat sein Bruder wohl auf die Einladung geantwortet. Mit einem fünf Seiten langen Brief, wieso er nicht kommen werde und dass sowieso alle Schwulen in die Hölle kommen werden und so weiter. Scheint eine sehr konservativ katholische Familie zu sein. Ich finde diese Verschlossenheit und Ablehnung seinem eigenen Bruder gegenüber einfach nur…

Da fällt mir kein Wort mehr ein dazu. Macht mich einfach sprachlos. Und sowas ist in unserer heutigen Zeit noch üblich? Wahnsinn. Einfach nur Wahnsinn.

Um es einmal in Twitter-Floskeln auszudrücken: ich prangere das an!

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