Man kennt mich – oft zu oft

Tja, sowas erlebt man zwar nicht alle Tage, aber es passiert. Immer wieder mal. Ich gehöre ja zur Familie der Eisenbahner – zu denen sogar, die immer ganz vorne sitzen müssen. Und da ich im DB Personenverkehr arbeite, muss ich auch dieses hübsche blaue Zeug namens “Ubk” tragen. Damit grüßt natürlich jeder Kollege, wenn er einen sieht. Finde das auch gut so. Es gibt viele viel zu arrogante Kollegen, die es nicht tun. Bei DB Station & Service etwa gibt es nur einzelne, die sind mir sympathisch. Und DB Sicherheit grüßt auch kaum zurück. Ich finde das alles andere als unkollegial, aber was will man machen.

Als ich meinen letzten ICE 3 ins Werk gestellt habe und dann zum Feierabend mit der S-Bahn in Richtung Hauptbahnhof gefahren bin, musste ich auf die nächste noch ein paar Minuten warten. Es ist dunkel, ich stehe etwas versteckt am Bahnsteig, als die S-Bahn herein kommt. Man gewöhnt sich irgendwie an, immer den Lokführer anzuschauen, man kennt ihn ja womöglich. Ich erkannte in diesem Fall allerdings nur einen sehr jungen Kerl. Plötzlich: es hupt ganz laut. Das muss wohl die S-Bahn gewesen sein. Denke mir nichts, setze mich rein. Und wir stehen und stehen. Dann geht es los und mein Handy klingelt. Wer ist es? Ein Lokführer von der S-Bahn :-D

“Hey, was is? Traust du dich nicht vor? *lach*”, schallte es durch mein Handy am Ohr.

Haben uns am Handy ein wenig unterhalten und eine Station vor dem Hauptbahnhof: Abfahrt und (das ist sehr ungewöhnlich) direkt nach dem Losfahren die Stationsansage. Das muss der Lokführer so extra anstoßen. Ich befürchte schlimmes. Nein, keine manuelle Durchsage. Puh.

*GONG* “Meine sehr geehrten Damen und Herren, bitte achten Sie beim Aussteigen auf den Abstand zwischen Zug und Bahnsteigkante”

Das kam dann auch gleich zweimal hintereinander. Ich schrieb eine SMS, warum er das getan habe. Was muss natürlich zurück kommen?

“Nicht, dass du einen Arbeitsunfall zum Feierabend hast ;) ich würde mir ein Leben lang Vorwürfe machen xD”

Ich hab herzhaft gelacht, als ich das lesend durch die Halle vom Hbf ging und einige verwirrte Blicke auf mich richten sehen. Ist schon ungewöhnlich, wenn heute jemand lacht in der Öffentlichkeit ;-)
Schlussendlich (ich bin auch bald daheim): das sind Momente, wo ich merke: du bist verdammt lange schon bei dem Verein. Aber es wird doch nie langweilig – und auf deine Kollegen kannst du zählen, auch überbetrieblich!

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