1900-km-Spritztour

oder auch “Ein Ausflug ins Graue” – ihr wisst schon, ein Winter ohne Blattgrün und ohne Schnee.

Um genau zu sein: die Kilometerzahl oben ist eigentlich gelogen. Es sind nämlich 1906 km. Aber man muss ja nicht auf die Spritze, äh Spitze treiben.
Begonnen hatte es einen Tag vorher – mein eigentliches Vorhaben für den Tag entfiel spontan und ein guter Freund (@wasserpanther) wollte mal wieder nach NRW fahren, also spielte ich spontan – mal wieder – die Anti-Langeweile-und-Grund-zweiter-Klasse-zu-fahren-Begleitung :D

Es war schon wirklich windig...

Es war schon wirklich windig…

Aufgrund der Spontanität hatte ich dann außer dem Start morgens in Augsburg noch keinerlei Planung für den Tag. Den ganzen Tag begleiten war nicht möglich. Ich entschied mich dann während der Fahrt später in Köln auszusteigen und dort weiter über Bonn zu fahren. Zunächste sollte mich mein Weg allerdings aus dem Hauptbahnhof heraus am Dom vorbei (besser gesagt drum herum, da wird immer noch gebaut) auf die Hohenzollernbrücke führen. Es stürmte ziemlich heftig, auch auf der Brücke. Wieso ich da hin wollte? Ich war auf der Suche nach meinem Schloss, das ich vor einiger Zeit dort mal hinhängte. Gefunden habe ich es leider auch am anderen Ende nicht. Zurück laufen wollte ich dann doch nicht und lief einfach zum Deutzer Bahnhof rüber, um mit dem nächsten Zug wieder zum Hbf zurück zu fahren.

Ist schon schön :-)

Ist schon schön :-)

Und weiter: ein kurzer Abstecher noch in die DB Lounge vor Ort für einen (Münchner) Kaffee und schon stieg ich dann in meinen InterCity ein. Er erwies sich als unglaublich voll, aber ich wollte einfach mal wieder auf einer meiner liebsten Eisenbahnstrecken Deutschlands fahren – der linken Rheinstrecke.
Es war nicht leicht sich durch den Zug zu kämpfen bei all den egoistischen Fahrgästen – jeder will in eine andere Richtung und niemand sah ein, nachzugeben und andere vor zu lassen. “Ich hab da vorne reserviert, ich muss da hin und nicht zurück!” – kein Kommentar. Hab es dann irgendwann geschafft, praktisch einmal durch die ganzen Zug gelaufen auf der Suche nach einem Sitzplatz und am hinteren Ende einen gefunden (vorne wäre auch die erste Klasse gewesen). Hatte dann dort meine Ruhe und konnte in vollen Zügen (höhö) die Landschaft genießen. Einfach herrlich!

Nach den Halten Bonn, Koblenz, Mainz und Mannheim erreichte ich dann den Heidelberger Hauptbahnhof. Sollte für mich allerdings nur ein Umsteigepunkt sein, um über die Main-Necker-Bahn (Link zur Wikipedia) nach Frankfurt zu fahren – eine der wenigen Strecken in der Gegend, auf denen ich noch nicht gefahren bin, just deswegen habe ich das gemacht. Leicht verrückt, ich weiß.

Mein Aufenthalt am Frankfurter Hauptbahnhof war dann auch nicht sehr lange, wollte mir eigentlich einen kleinen Happen zu Beißen holen, aber nichts lachte mich da so wirklich an. Der einzige Stand (wo ich auch schon einmal war), bei dem es richtig gutes Essen gibt, war so voll, da hätte ich meinen nächsten Zug nicht mehr geschafft – oder zumindest nur mit Gerenne. Und Eisenbahner-Kollegen wissen: wenn ein Bahner rennen sollte, sollte man das selbst auch lieber tun. Das nächste musste jetzt übrigens sein (siehe Bild links unten) :D

Dafür liebe ich Spotify einfach... ganz spontan :-)

Dafür liebe ich Spotify einfach… ganz spontan :-)

Zurück zum Thema: nächster ICE auf der Fahrt nach Interlaken Ost in der Schweiz sollte ich dann schnell einen Station über die Riedbahn (wieder Link zur Wikipedia) nach Mannheim bringen – schon wieder. So musste eben das BordBistro herhalten – ein Klassiker, der immer geht, wurde es dann: 6 Nürnberger Rostbratwürstl mit Kartoffelsalat.
Im BordBistro kam es mal wieder zu einer traurig, rassistischen Szenerie. Ein Schwarzer setzte sich an einen der Bistrotische – alleine. Alle anderen drängten sich an den Rest der Tische oder standen gleich. Traurig, traurig. Ob ich mir selbst Platz verschaffen hätte sollen und mich… anders verhalten sollen? Ich kann auch tuntig, wenn es sein muss. (Betonung liegt dabei auf “muss”!)

Angekommen in Mannheim, traf ich mich wenige Minuten später auch schon mit dem nächsten guten Freund: @marhei. Wir hatten das gleiche Ziel: Köln. Hört auf, so doof zu gucken, das ist mein voller Ernst! :D
Somit habe ich dann auch mal kurz noch die (zugegeben sehr schöne, wenn auch recht klein ausgefallene) Lounge am Mannheimer Hauptbahnhof gesehen. Schon ging es mit einem ICE weiter zum Frankfurter Flughafen. Und wie es natürlich so kommen musste, wer stand da am Bahnsteig? Richtig, der nächste Kollege: @lokfuehrer_tim :D

Mit dem ICE 10 Richtung Brüssel (von dem ich vermutete, dass wir mit Dampf-Vorspann fahren, weil er in Frankfurt Hbf sehr verspätet erst los kam, weil er noch Wasser aufgefüllt bekam) hatte ich dann eine kleine Premiere: zum ersten Mal in einem ICE 3M fahren. Das ist die Mehrsystem-Variante des ICE 3 und von außen vor allem durch seine sechs statt zwei Stromabnehmern zu erkennen. In München praktisch nie anzutreffen. Die Ironie an der Sache? Ich bin berechtigt, die Baureihe 406 (schon wieder Link zur Wikipedia :o) selbst zu fahren, wozu es auch schon ein paar Mal kam, aber als Fahrgast bin ich noch nie zuvor darin gesessen.

Aufgrund der hohen Verspätung und weil ich nicht nur mit @wasserpanther wieder zurück fahren wollte, sondern auch weil es der letzte ICE nach München war, musste ich schon in Siegburg/Bonn aussteigen, in Köln hätte ich den Anschluss nicht mehr geschafft.
So hatte ich allerdings die deutlich günstigere Variante ein vernünftiges Abendessen zu bekommen und nicht arm zu werden.
Ich hatte bisher noch nie verstanden, warum fast jeder ICE auf der SFS Köln-Rhein/Main (lezter Link zur Wikipedia jetzt, versprochen!) dort hält – und ich tue es jetzt immer noch nicht. Ein absoluter Provinzbahnhof – mit sinnlosen Ansagen. Von hier bis München ist es ja doch eine gute Strecke – so über Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, Ulm und Augsburg. Einfahrt des ICE:

“Auf Gleis 6 fährt ein: ICE 615 nach München Hbf über München-Pasing, Abfahrt 20:12 Uhr. Vorsicht bei der Einfahrt!”

Ganz ehrlich: ich weiß ja, wie der ICE fährt und so. Aber ich stand (lustigerweise) nicht alleine am Bahnsteig. Und es gibt sehr viele Menschen, die nicht oft mit der Bahn fahren. Und diese Zwischenstation anzusagen ist die Sinnlosigkeit überhaupt.

Die Fahrt war dann ziemlich entspannt. Der Zug war nicht voll, keine unangenehmen Mitreisenden – und zu unserer Überraschung war fast schon ein VIP unter den Bordgastronomen hier zuständig. In unserer (internen) Zeitung “DB Welt” war eine kleine Reportage über genau diesen Restaurantleiter – bekannt unter dem Spitznamen “Sonnenschein”, der immer gute Laune hat und den Fahrgästen gegenüber sehr viel mehr Service bietet, als er muss. Das durften wir dann auch noch bemerken, meinen Respekt, liebe Bahn – an dem müsst ihr festhalten ;-)

@wasserpanther verließ dann den Zug schon in Augsburg – ich wünschte, es wäre bei mir auch schon soweit, dass ich dort aussteige und zuhause bin. Aber ist ja nicht mehr lange hin :-)
Ich fuhr dann noch eine Station weiter bis München-Pasing und stieg dort um in meine S-Bahn nach Hause. Das war es dann auch schon. War ein wunderschöner Tag – für uns beide. Spontanität ist etwas, was ich liebe und lebe – es entstehen oft die schönsten Sachen damit!

P.S.: Damit der @saxo_man nichts zu meckern hat, habe ich es sogar noch Korrektur gelesen. Hab dich auch lieb, Schatzi! :-P

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