Noch so ein Tag…

Eigentlich hatte ich ja eher weniger vor, direkt nach dem gestrigen Artikel heute gleich wieder einen solchen zu schreiben. Aber die Situation verlangt irgendwie geradezu danach.

Was ist passiert? Es fing schon vor Dienstbeginn an: ich war gut 20 Minuten zu früh da -.-
Ich hätte schwören können, eine andere Uhrzeit gelesen zu haben, aber okay, so hatte ich noch Zeit für ein kleines, zweites Frühstück. (Und hey, immerhin zu früh da – das ist das weitaus geringere Übel!)

Beginnen sollte mein Arbeitstag dann also erst einmal mit einer

Bahnsteigwende. War ein ICE 1, soweit sogar störungsfrei (wie zum Glück die meisten davon) bis auf einen kleinen Eintrag in der Übersicht im Display. Dieser hätte theoretisch verlangt, dass der Zug in die Werkstatt geschickt wird, in Absprache mit dem Instandhaltungsleiter allerdings wurde er dann doch auf seinen Weg nach Berlin geschickt (mit klitzekleinem Umweg über Stuttgart, Frankfurt und Göttingen).
Der Lokführer der den Zug dann gefahren hat, hatte sogar zwei Stifte dabei (keine zum Schreiben), die keinen Kaffee wollten. Auf meine schockierte Nachfrage, wieso, kam dann die Antwort: “wir hatten gerade einen.”

Kaum war das Gleis von dem Zug dann geräumt kam auch gleich meine nächste Arbeit eingerollt. Einmal mit Wende und Innenreinigung über die Abstellanlage und wieder zurück an den Bahnsteig. Dieser Teil der Schicht war eigentlich schon fast der schönste: ich hatte Zeit am iPad eine Folge “Person of Interest” zu schauen und das Vanille-Croissant zu genießen, das ich mir davor noch holte).

Anschließend kam dann am Hbf schon wieder die nächste Arbeit. Und wieder mal gleiches Schema (zumindest in der Theorie, wie sich herausstellen sollte): Abstellanlage und wieder bereitstellen.
Pustekuchen! Auf dem Weg von Ingolstadt nach München ist dem Lokführer, der mir den Zug brachte, der Stromabnehmer vom hinteren Triebkopf des ICE 1 aufs Dach gefallen und ließ sich nicht mehr heben. Wie seine Vermutung bestätigte, was ich dann zusammen mit einem anderen Kollegen und einem Bahnhofstechniker herausgefunden habe.

Dazu kurzes Hintergrundwissen: ein Stromabnehmer fällt durch sein Eigengewicht grundsätzlich auf das Dach zurück, wenn die Druckluftversorgung ausbleibt, die ihn normal nach oben drückt an die Oberleitung. Damit die Oberleitung nicht so schnell abnutzt verwendet man auf der Schleifleiste Kohle. Die ist schön weich und leitet gut. Aber irgendwann hat sich das alles abgerieben. Dann sorgt ein Sicherheitsmechanismus dafür, dass die Druckluft dort entweicht und der Bügel sich senkt, um nicht die Oberleitung zu beschädigen.

Genau das war auch hier der Fall. Man hörte nur ausströmende Luft, er ließ nicht überreden in die Höhe zu steigen. Allerdings fand man keine Möglichkeit, die Schleifleiste auszutauschen und so entschied die Zentrale Verkehrsleitung vom Fernverkehr: der fährt so zurück nach Hamburg, wo dann auch sein Heimat-Betriebswerk ist.

Dem Lokführer hat das zwar nicht sonderlich gefallen, dass er nur die halbe Leistung und bei den warmen Temperaturen keine Klimaanlage, sondern nur eine Lüftung hatte, aber er wollte schließlich nach Hause. Sonst fehlte dem Zug ja nichts.

Aus technischer Sicht war das eine sehr interessante Erfahrung, wer den 401 fahren darf, weiß, wovon ich rede. Stichwort: Batterie. ;-)

So sieht das dann übrigens aus mit gesenktem Stromabnehmer:
20140321-190915.jpg

Nachdem der durchaus anstrengende Teil vorbei war, eine schöne Arbeit: ICE T ablösen, mit einem anderen in der Abstellgruppe kuppeln und zusammen am Bahnsteig bereitstellen. Störungsfrei, sogar mit eingeschalteter und funktionstüchtiger Neigetechnik.

Allerdings musste ich damit noch einmal umsetzen, also die Richtung ändern, um mit dem zweiten Zugteil Kuppeln zu können. Beim Wegfahren nach diesem Richtungswechsel allerdings ist eine meiner Federspeicherbremsen (ist wie eine Handbremse beim Auto, gibt es sogar immer wieder bei denen) in den Streik getreten und ließ sich nicht überzeugen, doch bitte sich von der Bremsscheibe zu lösen. Also musste ich das umständlich von Hand lösen mit richtig Muskelkraft, an allen vier Radsätzen dieses Wagens. War schon gut, dass man das in der Ausbildung paar mal geübt hat.

Nachdem auch das endlich erledigt war, konnte ich total verschwitzt vom vielen Laufen, die Zeit saß mir ja zusätzlich im Nacken, den Zug am Bahnsteig bereitstellen. Er hat es tatsächlich gerade so noch geschafft, pünktlich abzufahren.

Zu guter Letzt war dann noch eine kleine Bahnsteigwende geplant. Die fiel aber aus, weil der ankommende Zug an dem heutigen Tag wohl doch nicht verkehrte, anders, als es meine Schicht vorsah. Also musste ich mir im Auftrag meines Disponenten einen anderen Zug aus der Abstellung besorgen. Dieser war dann zwar nur mit weitem Fußweg zu erreichen, aber störungsfrei, juhu! Völlig ohne jeden Sarkasmus! :)

Jetzt kommt das Aber: zumindest für den Lokführer. Für den Fahrgast alles andere als in Ordnung: das FIS (Fahrgast-Informations-System) ist komplett ausgefallen gewesen. Zumindest die Displays konnten nicht mehr angesteuert werden.

Nachdem der Zug dann auch am Bahnsteig war das heilige F-Wort angesagt. Feierabend und ein freies Wochenende! :)

Hinterlasse eine Antwort